Infos zum Fusionsreaktor ITER
Paris, 4. Mai (AFP) - Der Forschungsreaktor ITER (lateinisch «der Weg») soll die Kernverschmelzung von Atomen als Energiequelle der Zukunft erschließen. Dabei werden chemische Vorgänge nachgeahmt, wie sie in der Sonne fortwährend ablaufen. Die Nachrichtenagentur AFP stellt Eckdaten des Projekts zusammen:
KERNFUSION
Im Gegensatz zur Kernspaltung, die bereits seit 1942 mit Uran betrieben wird, wird die Verschmelzung von Atomen bislang technisch noch nicht beherrscht. Vorplanungen für den ITER gehen davon aus, dass mindestens drei Jahrzehnte erforderlich sind, um die physikalische und technische Machbarkeit zu beweisen. Um das Fusionsfeuer zu zünden, muss der Brennstoff, ein extrem dünnes Plasma aus den Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium, wärmeisoliert, in Magnetfeldern eingeschlossen und auf Temperaturen von rund 100 Millionen Grad erhitzt werden.
FUSIONSREAKTOR
Der Fusionsreaktor soll etwa 30 Meter hoch sein und einen Radius von 15 Metern haben. Nach Angaben von Frankreichs Präsident Jacques Chirac ist das südfranzösische Cadarache nördlich von Marseille als Standort ausgesehen. Das Herzstück bildet eine ringförmige Vakuum-Röhre, in die je Zündvorgang 73 Megawatt eingespeist werden, um im Idealfall 500 Megawatt herauszuholen. Das Plasma zirkuliert in der Röhre, die nach einem russischen Kunstwort als Tokamak bezeichnet wird. Der Radius des Plasmas beträgt 6,2 Meter, der Tokamak hat ein Volumen von 837 Kubikmetern.
VORPLANUNGEN
Das ITER-Projekt wurde 1985 durch den damaligen sowjetischen KPdSU-Chef Michail Gorbatschow, den französischen Präsidenten François Mitterrand und US-Präsident Ronald Reagan eingeleitet. 1990 legte eine internationale Studiengruppe mit europäischer, japanischer, russischer und amerikanischer Beteiligung einen ersten Entwurf vor. 1992 begann eine sechsjährige detaillierte Planungsphase mit einem Team von 210 Mitarbeitern. Eines der drei Fusionszentren wurde am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching bei München angesiedelt. 1998 wurde der Entwurf des Testreaktors fertiggestellt.
KOSTEN
Die Baukosten werden auf 4,6 Milliarden Euro, die Betriebskosten auf jährlich 265 Millionen Euro veranschlagt. Darin sind Rücklagen für den späteren Abbau des Testreaktors eingeschlossen. Insgesamt soll das Projekt rund zehn Milliarden Euro kosten. Sie sollen zwischen den Partnern Europäische Union, Russland, China, Südkorea, Japan und USA aufgeteilt werden.
Der ITER im Internet:
www.ipp.mpg.de/ippcms/de/pr/forschung/iter/index.html
12 neue Saturnmonde entdeckt
Hawaii (dpa) - Astronomen auf Hawaii haben 12 winzige Monde des Saturns entdeckt. Die kleinen Trabanten des Ringplaneten haben Durchmesser von nur drei bis sieben Kilometern. Das teilte die Universität von Hawaii am Dienstag (Ortszeit) mit. Damit steige die Zahl der Saturnsatelliten auf 46. Nur der Jupiter hat mehr bekannte Monde, nämlich 63.
Elf der nun entdeckten Monde kreisen entgegen der Drehrichtung des Saturns um den Gasplaneten. Daher sind sie wahrscheinlich von außen in die Saturnumlaufbahn gekommen und vom Ringplaneten eingefangen worden. Die Aufnahmen der Saturnmonde stammen vom Subaru-Teleskop auf dem Mauna Kea, das einen Durchmesser von 8,2 Metern hat.