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Raumfahrtzentrum: Sonden-Mission «Rosetta» leicht geändert
Köln (dpa) - Neun Tage vor dem Start der europäischen Raumsonde «Rosetta» ist der Ablauf der Mission leicht verändert worden. Das Kontrollteam für das Landegerät «Philae» in Köln müsse schon acht Stunden nach dem Sonden-Start eingreifen und eine Transportsicherung lösen, sagte Prof. Berndt Feuerbacher vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) am Dienstag in Köln. Dadurch soll verhindert werden, dass sich die Haltebolzen der Landeeinheit durch zu große Temperaturunterschiede verspannen. «Philae» soll sich nach einer knapp elfjährigen Reise auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko festhaken. Die «Rosetta» ist die erste Sonde in der Geschichte, von der aus ein Gefährt auf einem Kometen landen soll. «Wir hoffen, damit nicht nur Raumfahrt- sondern Menschheitsgeschichte zu schreiben», sagte Feuerbacher. Die Sonde muss rund fünf Milliarden Kilometer zurücklegen. Der Countdown für den Start läuft bis zum 26. Februar: Dann soll die «Rosetta» vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana (Südamerika) abheben. Die Experten in Köln sind zuständig für die Steuerung der Landeeinheit.
Ursprünglich sollte die erste Transportsicherung für den Start der Sonde nach 14 Tagen gelöst werden, erläuterte Feuerbacher. Allerdings befürchten die Experten, dass sich das Material in dieser Zeit zu stark verbiegen könnte. «Nun wollen wir die erste Sicherung nach acht Stunden lösen. Deshalb wächst bei uns die Anspannung.» Feuerbacher ist der geistige Vater der Landeeinheit an Bord der «Rosetta».
Von der Erkundung des Kometen erhoffen sich die Forscher neueste Aufschlüsse über die Entstehung des Sonnensystems. Kometen - in diesem Fall ein etwa vier Kilometer langer Brocken aus Stein, Eis und Staub - haben sich seit gut 4,6 Milliarden Jahren im Unterschied zu den Planeten, kaum verändert. Die Funkverbindung zur «Rosetta» halten Wissenschaftler mit Hilfe einer 35 Meter großen Parabolantenne im Westen Australiens.
WHO weiter gespalten über therapeutisches Klonen
Genf (dpa) - Die 191 Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weiter uneins über das Klonen zu therapeutischen Zwecken. Der WHO-Exekutivrat habe keine Einigkeit in dieser Angelegenheit erreicht, sagte WHO-Sprecherin Fadela Chaib am Dienstag in Genf. Mit dem Thema werde sich auch die WHO- Jahreskonferenz im Mai beschäftigen. Die WHO lehne aber nach wie vor das reproduktive Klonen zur Erschaffung ganzer Menschen ab.
Ausgelöst haben die neue Debatte die Ergebnisse südkoreanischer Forscher. Diese hatten nach einem Bericht aus der vergangenen Woche erstmals menschliche Stammzellen aus einem Kon-Embryo gewonnen. Derartige Zellen sollen künftig unter anderem schwere Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer heilen. Der Embryo wird bei diesem so genannten therapeutischen Klonen zerstört.
Ratten-Erbgut als Modell für genetische Erkrankungen entschlüsselt
- Berliner Forscher kartographieren Mutationen bei Laborratten Berlin/Washington, 5. Februar (AFP) - Das Erbgut der Ratte ist als Modell für genetische Erkrankungen entschlüsselt worden. Die Bedeutung der Arbeiten am Max-Delbrück-Centrum (MDC) für Molekulare Medizin Berlin-Buch liege darin, dass die Ratte als Modellorganismus «besser geeignet» sei als die bereits entschlüsselte Maus, sagte der MDC-Genforscher Norbert Hübner am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. So könne die Entschlüsselung dazu dienen, bei komplexen genetischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, neurologischen Erkrankungen und
Stoffwechsel-Störungen wie der Insulin-Resistenz Erkenntnisfortschritte zu erzielen. Die Ergebnisse der Forschungen von Hübner und seiner Kollegin Heike Zimdahl werden in der jüngsten Ausgabe des US-Wssenschaftsmagazins «Science» vorgestellt.
Forscherteam findet Schlüsselgen für Blutgerinnung
Neuherberg (dpa) - Ein Team deutscher Forscher hat ein seit Jahren gesuchtes Schlüsselgen für die Blutgerinnung identifiziert. Das teilte das Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) am Donnerstag in Neuherberg bei München mit. Das von dem Gen codierte Protein aktiviere Vitamin K, das bei der Blutgerinnung eine zentrale Rolle spiele. Beteiligt an dem Forschungsprojekt waren neben dem GSF unter anderem Wissenschaftler der Universität Würzburg und der biologischen Bundesanstalt Münster.
Gleich mehrere Blutgerinnungsfaktoren brauchen zur Entfaltung ihrer Aktivität Vitamin K. Die Aufgabe des nun entdeckten Proteins besteht darin, verbrauchtes inaktives Vitamin K wieder in seine aktive Form zu verwandeln. Bei einigen seltenen Erbkrankheiten sei die Aktivität dieser Faktoren von Geburt an vermindert. Früher seien betroffene Kinder kurz nach der Geburt an Hirnblutungen gestorben. Heute könnten sie meist durch eine rechtzeitige Behandlung mit Vitamin K gerettet werden. Die Arbeit ist im Fachjournal «Nature» (Bd. 427, S. 537) vom Donnerstag veröffentlicht.
Fische im Datennetz - http://www.fishbase.org. ist die meistbenutzte
Tier-Datenbank der Welt
Kiel (epd). Ob Hai oder Hering, Piranha oder Pirantuni, Gabel-Dorsch oder Grönland-Dorsch - Rainer Froese (53) hat sie alle im Netz. Der Kieler Meeresbiologe leitet die Internet-Datenbank http://www.fishbase.org. Mit mehr als sieben Millionen Klicks pro Monat ist sie die meistbenutzte Tier-Datenbank der Welt. Wissenschaftlern, Fischern, Hobbyanglern und Feinschmeckern bietet sie kostenlos Daten zu 28.000 Fischarten - und fast jeden Tag kommt eine neue hinzu.
Gemeinsam mit seinem Forscher-Kollegen Daniel Pauly entwickelte Froese 1987 die Idee am Kieler Institut für Meereskunde. Ursprünglich waren die Daten für Wissenschaftler und Fischer gedacht. Unterstützung kam von der Europäischen Union, die damit das Fischerei-Management verbessern wollte. Inzwischen stellen Sporttaucher, Hobbyangler und Fischzüchter mit einem Drittel den größten Anteil der Nutzer. Je ein Viertel sind Wissenschaftler und Fischerei-Manager.
Fischfreunde können Daten über eine namentlich bekannte Fischart sammeln oder anhand der Beschreibung den Fischnamen suchen. Neben gängigen Sprachen wie Portugiesisch, Schwedisch und Niederländisch können die Internet-Seiten auch in russischer, arabischer und Hindi-Schrift genutzt werden. Die neue Generation wap-fähiger Handys liefert die Infos direkt an den Angelteich oder ins Restaurant
Berücksichtigt werden auch die populären Namen der Fische. So finden sich Infos über «Rollmops» und «Brathering». Für Froese und sein Team ist diese Rubrik mit viel Arbeit verbunden, denn die regionalen Unterschiede an Nord- und Ostsee finden hier ebenso Eingang wie die von Japans Küsten. So sind etwa unter «Kingfish» vom australischen «Allied Kingfish» bis zum indischen «Yellowtail Kingfish» insgesamt 93 Namen aufgelistet. Allein 18 Fische heißen nur «Kingfish».
Bearbeitet wird die Datenbank von weltweit mehr als 500 Mitarbeitern, die ihre Daten ins Netz stellen. Unterstützt wird das Projekt neben dem Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaft von sechs weiteren internationalen Fischerei-Instituten. Allein 15 Spezialisten arbeiten auf den Philippinen, wo auch Froese zehn Jahre tätig war.
Jedes Jahr werden rund 250 neue Fischarten dokumentiert. Während die Fisch-Welt der Nordhalbkugel recht gut erforscht ist, werden in den Flüssen Südamerikas, Afrikas oder Südostasiens immer wieder neue Arten gefunden. Auch die Tiefsee und ozeanische Riffs werden immer besser erkundet.
Über die Bedrohung der weltweiten Fischbestände kann dies jedoch nicht hinwegtäuschen. Anhand seiner Daten kann Froese nachweisen, dass die größeren Speisefische systematisch weggefischt werden. Immer größere und teurere Fischereiflotten führen dazu, dass immer weniger Fische wachsen können und die Fangmenge insgesamt zurückgeht. Ein Absenken der Fangquoten, so Froese, würde die wirtschaftliche
Situation einzelner Fischer verbessern. Politisch ist ein Abbau der Fischerei-Flotten aber nur schwer durchzusetzen.
Viel wäre jedoch schon gewonnen, wenn der Fang von Jung-Fischen, die noch nicht geschlechtsreif sind, reduziert werde. Technisch sei dies mit relativ einfachen Vorrichtungen möglich, so Froese. Mit eigens
konstruierten Mess-Skalen für Märkte und Restaurants haben die Mitarbeiter von Fishbase schon dafür geworben, dass nur ausgewachsene Fische verarbeitet werden. Fisch sei nach wie vor ein gesundes und leckeres Nahrungsmittel, so Froese: «Guten Fisch esse ich immer gern.»


