Aidsanfälligkeit offenbar genetisch bedingt
Hoffnung auf neuen Ansatz für Impfstoff
London, 9. Dezember (AFP) - Die Anfälligkeit für das Aids-erregende HI-Virus liegt offenbar im menschlichen Erbgut begründet. Nach einem Bericht des Wissenschaftsmagazins «Nature» fand ein Team um Philip Goulder von der Universität Oxford heraus, dass die Träger bestimmter Antigene besser gegen Aids geschützt sind. Die Studie konzentriert sich auf die so genannten Histokompatibilitäts-Antigene oder «human leucocyte antigens» (HLA), bei denen es unter den B-Typen vier verschiedene Varianten gibt. Zwei dieser Varianten machten die Träger Aids-anfällig, die beiden anderen wirkten schützend. Die Aids-Forschung hat bislang noch keinen Impfstoff entwickelt. Möglicherweise bieten die nun erforschten HLA-B-Typen dafür einen neuen Ansatz.
Die HLA-Gruppen sind im menschlichen Körper dafür zuständig, «Eindringlinge» zu identifizieren und das Immunsystem zu ihrer Zerstörung anzuregen. Die Wissenschaftler untersuchten das Blut von 375 mit dem HI-Virus infizierten Frauen in Südafrika, die keine Medikamente bekamen, und analysierten die Proben auf ihr HLA-Profil. Frauen mit einer der beiden «schützenden» Varianten von HLA-B haben demnach höhere Überlebenschancen und übertragen den Virus in der Schwangerschaft seltener auf das Ungeborene als diejenigen mit den «zerstörungsanfälligen» Varianten.
In einer ähnlichen Untersuchung, die im Kaukasus vorgenommen wurde, war bereits festgestellt worden, dass Menschen mit bestimmten Varianten der HLA-B-Gruppe weniger Viren in ihrem Körper und eine höhere Rate an Immunzellen haben. Gelänge es den Forschern, einen Menschen mit natürlicher HI-Immunität zu finden, hätten sie ein Modell für den gesuchten Impfstoff. Laut einer UN-Statistik sind weltwelt 39,4 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert oder leiden an Aids, bislang starben 23 Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit.
Neues Tuberkulosmittel im Test soll Behandlungszeit halbieren
Washington (dpa) - Ein neues Antibiotikum verspricht, die Behandlungszeit von Tuberkulose auf die Hälfte zu reduzieren. Im Versuch mit Mäusen bekam der Wirkstoff auch Tuberkulose-Bakterien unter Kontrolle, die gegen die herkömmlichen Medikamente resistent sind. Ein internationales Forscherteam stellt das bisher nur unter der Formel R207910 bekannte Antibiotikum in der Onlineausgabe des Fachjournals «Science» (
www.sciencexpress.org) vor. Das Antibiotikum wurde auch an gesunden Menschen getestet und stellte sich dabei als gut verträglich heraus. Erst die nächsten Testphasen werden jedoch Aufschluss über den Effekt von R207910 auf Tuberkulose-Patienten geben. Seit 40 Jahren ist kein neues Tuberkulose-Mittel entdeckt worden, und die Resistenz der Bakterien gegen Wirkstoffe ist ein zunehmendes Problem.
Tuberkulose ist nach Aids global gesehen die zweithäufigste Todesursache durch Infektionen. An ihr sterben jedes Jahr rund zwei Millionen Menschen. Wenigstens elf Millionen seien mit dem Aidserreger HIV und Tuberkulose gleichzeitig infiziert und dadurch noch stärker von einem frühzeitigen Tod bedroht, schreiben Koen Andries von der Forschungsabteilung des Pharmakonzerns Johnson & Johnson im belgischen Beers und Kollegen in Frankreich, Schweden und den USA.
Das viel versprechende Antibiotikum gehört zu einer Familie von Verbindungen, für die das Unternehmen kürzlich ein Patent erhalten hatte, den Diarylchinolinen oder «DARQ». Sie wirken anders als alle bisher entwickelten Antibiotika, heißt es in «Sciencexpress». «DARQ» verhindern nach bisheriger Erkenntnis einen Vorgang, mit dem sich die Zelle selbst mit Energie versorgt.
Im Tierversuch befreite das Mittel die Lungen von kleinen Nagern in nur einem Monat von Bakterien, während die herkömmlichen Antibiotika zwei und mehr Monate für diesen Erfolg brauchten. Für die Humanmedizin könnte das heißen, dass der neue Wirkstoff Patienten bereits nach drei bis vier Monaten kuriert statt in bisher sechs bis neun Monaten.