TSC - Wie geht es weiter ?

Medikamentensuche durch "Docking"-Simulationen (Mapping Cancer Markers, FightAIDS@home, Smash Childhood Cancer, ...)
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
Patrick Keller
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 1202
Registriert: 25.03.2003 15:06
Wohnort: Mainz

TSC - Wie geht es weiter ?

#1 Ungelesener Beitrag von Patrick Keller » 03.12.2004 14:00

Ich frage mich langsam, ob TSC wirklich was bringt ...
Alle rechnen dort Ewigkeiten herum, es gibt keine Ergebnisse und auch sehr sehr wenig Kontakt zu den 'Leadern'. Ich weiß nicht wie lange, aber meiner Meinung nach ZU lange, wird da jetzt an den selben Targets gerechnet, die nicht einmal bald fertig sind ...
Zum Vergleich, bei anderen Projekten (ich nenne bewusst keine Namen) werden die Targets nur so durchgenudelt, geben aber gleichzeitig noch gute Ergebnisse ... Ich verstehe einfach nicht, warum das bei TSC so lange dauert .

Was ist denn eure Meinung dazu ? Ich denke DC ist Forschung, und bei Forschung sollte es vorwärts gehen, oder zumindest Vorbereitungen dazu getroffen werden, davon merke ich bei TSC leider gar nix.

PS: Ich will das Projekt nicht schlecht machen, nur gucken ob die Rechenzeit gut investiert ist und meine eigene Skepsis mit euch teilen/diskutieren ;)

PPS: Bevor hier noch jemand denkt ich würde anderen hier Projekte vorschreiben ;)


Keller.

nightfolder

#2 Ungelesener Beitrag von nightfolder » 03.12.2004 14:38

Ich kann Deine Fragen gut nachvollziehen, weil sie völlig berechtigt sind.
Auch in anderen Foren wir darüber diskutiert. Als "Aussenstehende" ist es für uns aber schwierig nachzuvollziehen, was da im Labor wirklich passiert und leider scheint es so zu sein, dass dort nicht alles so ultraoptimal läuft wie vielleicht bei anderen Projekten. Forschung wird heute immer mit Hochdruck vorangetrieben, ob die Ergebnisse dadurch besser werden, steht auf einem anderen Blatt.

Anworten darauf findest Du z.B. im Rothberg-Forum. Dort schreibt
Wolfgang Hinz vom Rothberg Institute:
Here are some answers to the questions posted:

1. Is there ANY progress in laboratory tests now? How many molecules have shown predicted activity? What is the number of false-positives results?

To date we do not have significant success of candidates tested in our cell based screens. The reason for this is probably based in the type of assay we are running on the compounds themselves. Whereas computational screening is limited to specific protein targets, our screen test the candidates ability to affect the growth of the cell. The cells are complicated systems which has the targets integrated in interwoven pathways which we known are at the root of Tuberous Sclerosis. The test determines if the compounds generally affect the growth of the cells or even induces cell death for diseased cell lines (cell lines which lack the one of the two functional TSC genes).

In our laboratory assays we do not measure the binding of candidates to individual targets (called biochemical screening) but the technology we use has been shown to be able to distinguish between strong and weak binders. Your obvious question is why don't the predicted strong binders of our targets work in cells? The answer to this has caused many medicinal chemists and researchers around the world headaches for generations. One possible answer is: the binding of the target is not achieving the desired biological effect, i.e. is not affecting the activity of the target or the effect is irrelevant to the growth/death of the cell. Another possible answer is that the cell is bypassing the effect by using alternative pathways to transmit the signal (we are trying to influence the signaling pathways in which the TSC genes play a role). Your obvious next question is: What are you going to do about this? The answer: We will search for new targets and possibly develop some biochemical screens to probe the disease mechanism.


2. What is redundancy of the project? Have you got any plans to publish it? Can you determine it?

We are planning to reduce the redundancy of our calculations significantly. We also intend to publish on the overall design of D2OL and what we have learned from this project in peer reviewed journals. The redundancy is determined from various numbers available to us. The aim is to increase throughput by reducing redundancy.

3. Why the D2OL was selected in spite of the fact that pharmacophore-based methods are much faster and provide much accurate result? (if we compare some pharmacophore-based programs and D2OL, we can see that D2OL is more than 10000 times slower).

Pharmacophore-based methods are of great value if indeed appropriate information is available. Pharmacophore-based methods are knowledge-based, i.e. they require significant binding studies of multiple mediocre binders in order to develop pharmacophore models accurate enough for the prediction of binding of unknowns. Flexible ligand based docking only requires a good crystal structure of the target in order to produce similar results. We have little or no binding information of ligands available for generating pharmacophore-based models.


4. Have you got any links to published SMILES, Molfile or SDfile files that contain the results of our work?

We are hoping to publish on the development of the system and on some results obtained in the near future. These publications will contain the exact results produced by users which were used to obtain results in the laboratory.
Desweiteren meint Charles Beckius, der Administrator:
In mid October, we held our Courage Fund Award Conference for scientific collaboration. I am behind in updating the web page, but there was a definite atmosphere of progress with intriguing directions from all parties. I will need to check what information is presentable here or on the web, as I can not pre-empt publication.
Was Du natürlich auch machen könntest: schreib "Dr. Bonnie", gemeint ist Bonnie E. Gould Rothberg, MD und frag ihn konkret, wie es um das Projekt steht. Das einfachste dürfte aber sein: ein Posting im Rothberg-Forum (http://www.childhooddiseases.org/cgi-tsc/ultimatebb.cgi


nightfolder

Benutzeravatar
M. Franckenstein
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 5933
Registriert: 23.07.2001 01:00
Wohnort: Oldenburg

#3 Ungelesener Beitrag von M. Franckenstein » 03.12.2004 18:37

nun, wie schon gesagt hat "DC ist Forschung" und wenn es da mal länger dauert finde ich das nicht schlimm. schlimm würde ich es finden wenn die errechneten ergebnisse irgendwann in der tonne landen würden. die berechnungen geben doch arbeit bis auf viele jahre hinaus. wenn ich soetwas mitbekommen würde ist es ein grund ein projekt nicht weiter zu betreiben .... aber soetwas kommt ja net vor, oder?

Benutzeravatar
Patrick Keller
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 1202
Registriert: 25.03.2003 15:06
Wohnort: Mainz

#4 Ungelesener Beitrag von Patrick Keller » 04.12.2004 19:58

Irgendwas muss man sehen, und in der ganzen Zeit sollten da ja eigentlich schon en paar gute Ergebnisse vorhanden sein.
Man vegleiche es mit FAD, wo die Targets durchgerechnet werden und man gute Resultate hat ... Warum gehts denn da so schnell ?

Gastfrosch

#5 Ungelesener Beitrag von Gastfrosch » 04.12.2004 20:32

Keller, genau das, warum es dort schneller und da langsamer geht steht dort im vom "Nightfolder" zitierten Beitrag.

FAD zB. verwendet vorhandene Kristalstrukturen, die es bei D2OL,
rein aus deren Prinzip, die Sache anders anzugehen, nicht gibt.

Benutzeravatar
SpeedKing
TuX-omane
TuX-omane
Beiträge: 2943
Registriert: 12.09.2003 17:14

#6 Ungelesener Beitrag von SpeedKing » 04.12.2004 20:56

Aber die Frage ist doch: Welcher Ansatz ist der Bessere?
Dieses im Nebel stochern von TSC, bei dem man sehr vom Zufall abhängig ist, oder das eher methodische Vorgehen von FAD, bei dem man allerdings auch die Zahl der möglichen Resultate von vornherein einschränkt?
Meine These ist: Wenn man bei gewissen Strukturen schon ein Grundwissen, einen begründeten Verdacht oder vielleicht auch nur ein gutes Gefühl hat, dann sollte man auf dem Aufbauen.

Benutzeravatar
Patrick Keller
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 1202
Registriert: 25.03.2003 15:06
Wohnort: Mainz

#7 Ungelesener Beitrag von Patrick Keller » 04.12.2004 21:10

Ich finde es ist eine Frechheit zig PCs laufen zu lassen und ein Projekt zu starten, wenn man net mal weiß, ob das was man da durchrechnen lässt auch wirklich so auftritt (sprich: Proteinstruktur oder was auch immer).
Solange ich da was nicht falsch verstanden habe, wars das mit TSC für mich

Benutzeravatar
Michael H.W. Weber
Vereinsvorstand
Vereinsvorstand
Beiträge: 23148
Registriert: 07.01.2002 01:00
Wohnort: Marpurk

#8 Ungelesener Beitrag von Michael H.W. Weber » 04.12.2004 21:17

Wie, was, wo? Hab' ich da was überlesen? TSC verwendet genau wie FAD experimentell bestimmte Proteinstrukturen auf denen potentielle Arzneistoffkandidaten gedockt - d.h. auf stabile Wechselwirkungen - getestet werden. Man kläre mich bitte auf, sollte ich da was übersehen haben (ihr wißt ja, daß ich eher der FAH-Freak bin). ;)

Michael.
Fördern, kooperieren und konstruieren statt fordern, konkurrieren und konsumieren.

Bild Bild

Benutzeravatar
SpeedKing
TuX-omane
TuX-omane
Beiträge: 2943
Registriert: 12.09.2003 17:14

#9 Ungelesener Beitrag von SpeedKing » 04.12.2004 21:42

Michael H.W. Weber hat geschrieben:Wie, was, wo? Hab' ich da was überlesen? TSC verwendet genau wie FAD experimentell bestimmte Proteinstrukturen[...]
Ich bin jetzt davon ausgegangen, daß die bei TSC in silicio(?) generiert sind.
Ist aber gut möglich, daß ich völlig falsch liege.

Benutzeravatar
Michael H.W. Weber
Vereinsvorstand
Vereinsvorstand
Beiträge: 23148
Registriert: 07.01.2002 01:00
Wohnort: Marpurk

#10 Ungelesener Beitrag von Michael H.W. Weber » 04.12.2004 21:56

SpeedKing hat geschrieben:Ich bin jetzt davon ausgegangen, daß die bei TSC in silicio(?) generiert sind.
Ist aber gut möglich, daß ich völlig falsch liege.
Das möchte ich verschärft hoffen, daß Du falsch liegst...

Michael.
Fördern, kooperieren und konstruieren statt fordern, konkurrieren und konsumieren.

Bild Bild

Gastfrosch

#11 Ungelesener Beitrag von Gastfrosch » 04.12.2004 22:20

Einfach durchlesen, was zitiert wurde, dann werdet ihr schlauer.
Da steht alles drinnen was wichtig ist.

Benutzeravatar
Michael H.W. Weber
Vereinsvorstand
Vereinsvorstand
Beiträge: 23148
Registriert: 07.01.2002 01:00
Wohnort: Marpurk

#12 Ungelesener Beitrag von Michael H.W. Weber » 05.12.2004 10:03

Gastfrosch hat geschrieben:Einfach durchlesen, was zitiert wurde, dann werdet ihr schlauer.
Dort lese ich zwischen den Zeilen heraus, daß wie bei FAD Kristallstrukturen verwendet werden.
Gastfrosch hat geschrieben:Da steht alles drinnen was wichtig ist.
Kaum ausreichend. Wieso machen die keine Bindungsstudien? Die Proteintargets sind kristallisiert, also kann man sie auch reinigen und für solche Assays einsetzen. Soweit ich weiß arbeiten die mit der Harvard Medical School zusammen, d.h. da sollten schon ein paar Experten zur Hand sein, aber irgendwie produzieren die nicht viel Verwertbares.
So wie ich das oben geschriebene interpretiere, liegt es nach Ansicht der Projektbetreiber weniger am TSC dc Projekt als vielmehr daran, daß die gefundenen Arzneistoffkandidaten im Labor bislang erfolglos blieben. Meiner Ansicht nach gibt es keinen Beweis dafür, daß der Client korrekt arbeitet, solange keine Bindungsstudien gemacht wurden, die klar nachweisen, daß die Rechnungen mit der Realität übereinstimmen. Ich frage mal ganz allgemein: Wie ist nachgewiesen worden, daß der Client ok ist?

Michael.
Fördern, kooperieren und konstruieren statt fordern, konkurrieren und konsumieren.

Bild Bild

Zurück zu „Medikamentensuche“