Wissenschaftlicher Hintergrund
Was sind Proteine?
Proteine sind *Perlenketten* aus Aminosäuren --- lange kettenförmige Moleküle. Proteine sind die Grundlage, mit der die Biologie Aufgaben erledigt. Als *Enzyme* sind sie die treibende Kraft hinter allen biochemischen Reaktionen, die die Biologie funktionieren lassen. Als *Strukturelemente* sind sie der Hauptbestandteil von unseren Knochen, Muskeln, Haaren, Haut, und Blutgefäßen. Als *Antikörper* erkennen sie eindringende Elemente und ermöglichen es dem Immunsystem die unerwünschten Eindringlinge loszuwerden. Aus diesen Gründen haben Wissenschaftler das menschliche Genom -- den Plan für alle Proteine in der Biologie -- entschlüsselt, aber wie können wir verstehen, was diese Proteine tun und wie sie funktionieren?
Beziehung zum Humangenom Projekt
Da Proteine eine solch fundamentale Rolle in der Biologie spielen, haben Wissenschaftler das menschliche *Genom* entschlüsselt. Das Genom ist gewissermaßen der Bauplan für diese Proteine -- das Genom entält den DNS Kode, der die *Reihenfolge* der Aminosäuren entlang der Proteinkette, wie die Perlen einer Halskette, spezifiziert.
Warum "falten" sich Proteine?
Jedoch lediglich die Sequenz zu kennen, sagt uns wenig darüber, was das Protein macht, und wie es das macht. Um ihre Funktion (z.B. als Enzyme oder Antikörper) ausüben zu können, müssen sie eine bestimmte Form annehmen, die auch als "Faltung" bekannt ist. Also, Proteine sind wahrlich erstaunliche Maschinen: Bevor sie ihre Arbeit verrichten, setzen sie sich selbst zusammen! Diesen Selbstzusammenbau nennt man "falten".
Eines der Ziele unseres Projektes ist, die Proteinaltung zu simulieren, um zu verstehen, wie Proteine so schnell und zuverlässig falten, und zu lernen, synthetische Polymere[Link->#nano] mit diesen Eigenschaften herzustellen. Filme der Resultate einiger dieser Simulationen sind hier[Link->results.html] zu finden.
Proteinfaltung und Krankheit: BSE (Rinderwahnsinn), Altzheimer, ...
Was passiert, wenn sich Proteine nicht korrekt falten?[Link->
http://www.faseb.org/opar/protfold/protein.html] Krankheiten wie die Alzheimersche Krankheit, die Mukoviszidose, BSE (Rinderwahnsinn), eine vererbte Form von Emphysem, und selbst mehrere Krebsarten werden für das Resultat von falsch gefalteten Proteinen gehalten.
Wenn Proteine falsch gefaltet sind, können sie zusammenklumpen ("aggregieren").
Diese Klumpen können sich oft im Gehirn ansammeln, wo sie, wie vermutet wird, die Symptome von Rinderwahnsinn oder der Alzheimerschen Krankheit auslösen.
Proteinfaltung und Nanotechnoligie: Von Menschen gebaute Maschienen im Nanometer Maßstab
Zusätzlich zu biomedizinischen Anwendungen wird uns das Wissen darüber, wie Proteine falten, beibringen, wie wir unsere eigenen "Nanomaschinen" in Protein-Größe konstruieren, die ähnliche Aufgaben erledigen. Natürlich müssen diese Nanomaschinen, bevor sie irgendeine Aktivität ausführen können, auch zusammengesetzt werden.
Warum ist die Proteinfaltung so schwer zu verstehen?
Es ist nicht nur erstaunlich, dass sich Proteine selbst zusammenbauen --falten--, sondern auch, dass sie es erstaunlich schnell tun: Einige innerhalb einer Millionenstel Sekunde. Während diese Zeit sehr schnell auf der Zeitskala einer Person ist, dauert es bemerkenswert lang, sie in einem Computer zu simulieren.
Tatsächlich dauert es etwa einen Tag, um eine Nanosekunde (1/1.000.000.000 einer Sekunde) zu simulieren. Unglücklicherweise falten sich Proteine in der Größenordnung von 10 Mikrosekunden (10.000 Nanosekunden). Also würde es 10.000 CPU-Tage dauern, die Faltung zu simulieren, -- das sind 30 CPU-Jahre. Das ist eine lange Zeit, um auf ein einzelnes Resultat zu warten.
Eine Lösung: verteilte Dynamiken
Um das Problem mit der Proteinfaltung zu lösen, müssen wir die Mikrosekundenbarriere durchbrechen. Unsere Arbeitsgruppe[Link->
http://www.stanford.edu/group/pandegroup] hat einen neuen Weg die Proteinfaltung zu simulieren entwickelt, der die Mikrosekundenbarriere durchbrechen kann, indem die Arbeit unter vielen Prozessoren in einer neuen Art aufgeteilt wird -- mit einem zur Zahl der Prozessoren nahezu linearen Geschwingigkeitszuwachs. So können wir dann mit 1000 Prozessoren die Mikrosekundenbarriere durchbrechen und helfen, das Geheimnis der Proteinfaltung[Link->
http://www.faseb.org/opar/protfold/protein.html] zu entschlüsseln.
Was haben wir bislang gemacht, und wie geht es weiter?
Folding@Home 1.0[Link->
http://foldingathome.stanford.edu/] war ein Erfolg. Während eines Jahres vom Oktober 2000 bis Oktober 2001 haben wir mehrere kleine, schnell faltende Proteine gefaltet, mit experimenteller Bestätigung unserer Methode. Wir arbeiten nun an der Weiterentwicklung unserer Methode und der Anwendung auf komplexere und interessante Proteine und Fragen zur richtigen und falschen Faltung von Proteinen. Auf unserer Ergebnisseite[Link->results.html] können sie mehr über unsere Ergebnisse erfahren.
Wie kann ich mehr darüber erfahren, wie Folding@home funktioniert?
Ein guter Ausgangspunkt um mehr über unseren Erfolg mit Folding@Home 1.0 und über die Arbeitsweise von Folding@home zu erfahren sind unsere neueren Artikel[Link->papers.html] oder die Presseberichte[Link->press.html] über unsere Arbeit. Unser Artikel in Physical Review Letters[Link->
http://vsp27.stanford.edu/papers/SPdynamics.pdf] beschreibt die Basis unserer Methode, sowie einige mathematische Begründungen, wie wir zehn- bis hunderttausend PCs benutzen können, um die Geschwindigkeit der Faltungssimulationen zehn- bis hunderttausendfach zu beschleunigen. Unser Artikel in The Journal of Molecular Biology[Link->
http://vsp27.stanford.edu/papers/ZSPHairpin01.pdf] behandelt ein wenig ausführlicher die Besonderheiten unserer Methode, so wie sie auf Proteine angewendet wird, sowie unsere ersten Ergebnisse --- die Faltung einer beta-Schleife.
Für weitergehende Informastionen: Interessante Links zu anderen Webseiten (in Englisch)
Um mehr über DNS, Genome, Proteine, oder Faltung zu erfahren, schlagen wir die folgenden Links vor (empfohlene Links in *fetter Schrift*):
/* Da die ganzen Links auf englischsprachige Seiten zeigen, halte ich eine Überssetzung der Überschriften für nicht angebracht. */
Bildunterschrift 1:
Während die Natur der Faltung durch die Sequenz bestimmt ist, ist sie in einer sehr komplizierten Art codiert. *Also kann die Proteinfaltung als eine Verbindung zwischen dem Genom (Sequenz) und dem was die Proteine tatsächlich tun (ihre Funktion), gesehen werden.*
Bildunterschrift 2:
Der Folding@Home Client (Konsole oder Bildschirmschoner) zeigt eine Echtzeitdarstellung der Protein Simulation, die berechnet wird. Das gezeichnete Molekül ist die momentane atomare Konfiguration ("Faltung") von dem Protein, das auf ihrem Computer simuliert wird.