frost hat geschrieben:Es gibt doch immer mehr Probleme damit, dass Krankheitserreger immun gegen Antibiotika werden... könnte man nicht versuchen, zu berechnen, wie ein Krankheitserreger unter dem dauerhaften Einsatz von verschiedenen Antibiotika mutiert und - ist jetzt vielleicht etwas abgedreht

- versuchen, Antibiotika zu entwickeln, die sich ihrerseits dieser Mutation anpassen und sich entsprechend weiterentwickeln?
Naja, ist vielleicht Spinnerei...

Der Kerl kann Gedanken lesen.

Ganz kurz dazu: Teil 1 Deines Vorschlages ist sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Für viele Antibiotika sind die Orte genau bekannt, welche mutieren müssen, damit eine Resistenz entsteht. Neue Mutationsorte ERSCHÖPFEND vorauszuberechnen, scheint mir eine schwierige Aufgabe. Allerdings - wenn ich etwas genauer darüber nachdenke - in gewissem Rahmen nicht wirklich unmöglich. Setzt aber enorme strukturelle Kenntnisse voraus, die großenteils noch gar nicht existieren. Wäre aber eine gute Sache, um ein Projekt an Laborarbeiten zu Koppeln.
Teil 2 ist etwas, was mir - seit ich mich mit dc Porjekten beschäftige - im Kopf herumspukt. Ich habe ja jahrelang in einer AG gearbeitet, wo es um die Entwicklung neuer Peptidantibiotika geht. Warum sollte man nicht die vorhandenen Peptidantibiotika - deren Wirkung man kennt - als Vorlage nehmen, um analog zu Genome@home Ersatzstoffe dafür zu generieren? Hätte man solche Stoffe, könnte man den Organismen, die gegen die Originale resistent geworden sind, Paroli mit den Desingerpeptiden bieten.
Weiterhin - und dazu muß ich wohl etwas ausholen - wäre es interessant im Rahmen eines "docking"-Projektes die Interaktion bestimmter Peptidantibiotika-Syntheseproteine zu untersuchen. Es ist nämlich so: Einige Bakterien (z.B. der Gattung
Bacillus) stellen Peptidantibiotika mit Hilfe sogenannter Peptidsynthetasen her. Das sind z.T. die größten bis heute identifizierten Proteine (> 1.6 MDa!!!). Sie bauen sich modular auf und arbeiten in etwa wie ein Fließband: Aminosäure erkennen, Aminosäure aktivieren, Aminosäure auf eine andere zuvor erkannte Aminosäure laden und verknüpfen. Diesen Prozeß 10-12-Mal wiederholen, Ringschlußreaktion durchführen, Produkt freisetzen. Durch Austausch der Module, kann man neue Varianten herstellen.
Das ist in etwa zusammengefaßt, was seit Ende der 80er Jahre in meiner ehemaligen AG bearbeitet wird. Das Problem: Tauscht man Module aus, kommunizieren diese meist nicht mehr korrekt miteinander, weil man die Interfaces verändert hat und noch nicht die Regeln kennt, nach denen diese Module sich zur Arbeit zusamenfinden - ich stelle das hier jetzt mal sehr vereinfacht dar. Klar worum es geht? Der Anwendungsbereich liegt auf der Hand. Expertise ist sowohl in der Chemie, als auch was "docking" betrifft an der Uni vorhanden. Es hat sich sogar eine kleine Firma aus meiner AG ausgegründet, die sich mit solchen Fragestellungen beschäftigt (war mal Hessen-Innovationspreis oder so).
Ok - aber fein weiter Vorschläge machen. Klingt doch alles schon höchst interessant. Auch das Ding mit Shakespeare!
Michael.