Chemie-Nobelpreis für Arbeit zum Eiweißabbau - erstmals nach Israel
Stockholm (dpa) - Zwei Israelis und ein Amerikaner erhalten für ihre Erkenntnisse zum lebenswichtigen Eiweißabbau im Körper den Chemie-Nobelpreis 2004. Damit geht erstmals ein wissenschaftlicher Nobelpreis nach Israel. Die Institutskollegen Aaron Ciechanover (57) und Avram Hershko (67) aus Haifa sowie der US-Amerikaner Irwin Rose (78) haben einen der wichtigsten Prozesse in der Zelle entdeckt. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit. Wenn der Abbau bestimmter Proteine nicht korrekt funktioniert, können Gebärmutterhalskrebs, die Lungenkrankheit Mukoviszidose (Zystische Fibrose) und viele weitere Leiden entstehen. Die Arbeiten könnten daher zu neuen Medikamenten führen.
Eine Zelle enthält mehrere hunderttausend verschiedene Eiweiße (Proteine). Sie dienen etwa als Bausubstanz, Botenstoffe, Enzyme oder zur Abwehr von Bakterien. Wird ein Protein nicht mehr benötigt, bekommt es in der Körperzelle den «Todeskuss», wie die Nobelstiftung schreibt. Genauer: Die Zelle hängt die Markierungssubstanz Ubiquitin wie einen Adressaufkleber an das alte Protein. Mit diesem Aufkleber versehen landet es im zelleigenen Müllverwerter (Proteasom), wo es zerhäckselt wird. Kurz vor der Zerstörung wird Ubiquitin wieder abgehängt, damit es erneut genutzt werden kann.
Ciechanover und Hershko arbeiten beide am Israel Institute of Technology in Haifa. Sie hatten den Adressaufkleber entdeckt, der sich später als Ubiquitin herausstellte. Rose von der Universität von Kalifornien in Irvine hatte entscheidende Vorarbeiten dazu geleistet. Die drei Forscher beschrieben ihre Ergebnisse in zwei Arbeiten von 1980. Später entdeckten sie noch weitere Details beim Abbau von Proteinen.
Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit insgesamt umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Die Nobelpreise werden traditionsgemäß am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.
In dieser Woche folgen die Bekanntgaben der Nobelpreisträger für Literatur am Donnerstag und für Frieden am Freitag. Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften wird am kommenden Montag zuerkannt.
(Internet: Nobelstiftung:
http://nobelprize.org)
Nobelpreisträger der Chemie seit 1994
Hamburg (dpa) - Die seit 1901 verliehenen Chemie-Nobelpreise gingen vor allem an amerikanische Forscher. 23 Mal wurde die Auszeichnung ganz oder in Teilen Deutschland zugesprochen, durch Mehrfachvergaben gibt es insgesamt 27 deutsche Preisträger. Seit 1994 wurden ausgewählt:
2003: Peter Agre (USA) und Roderick MacKinnon (USA) für die Erforschung von Ionen- und Wasserkanälen der Körperzellen.
2002: John B. Fenn (USA), Koichi Tanaka (Japan) und Kurt Wüthrich Schweiz) für ihre Methoden zum Vermessen von biologischen Molekülen.
2001: William S. Knowles (USA), Barry Sharpless (USA) und Ryoji Noyori (Japan) für die Beschreibung neuer Katalysatoren.
2000: Alan Heeger, Alan MacDiarmid (beide USA) und Hideki Shirakawa (Japan) für Entdeckung und Entwicklung elektrisch leitender Kunststoffe.
1999: Ahmed H. Zewail (Ägypten/USA) für die Untersuchung der Dynamik ultraschneller chemischer Reaktionen («Femtosekunden-Chemie»).
1998: Walter Kohn (USA) und John A. Pople (Großbritannien) für ihre Beiträge zur Quantenchemie.
1997: Paul D. Boyer (USA), John E. Walker (Großbritannien) und Jens C. Skou (Dänemark) für die Beschreibung der Synthese von Adenosintriphosphat und der Entdeckung des Ionentransport-Proteins ATPase.
1996: Robert F. Curl, Richard F. Smalley (beide USA) und Harold W. Kroto (Großbritannien) für ihre Entdeckung der Fullerene («Fußball- Moleküle» aus Kohlenstoff).
1995: Paul Crutzen (Niederlande), Frank Sherwood Rowland (USA) und Mario Jose Molina (Mexiko) für ihre Arbeiten zur Chemie der Atmosphäre, insbesondere zum Auf- und Abbau des Ozons («Ozonloch»).
1994: George A. Olah (USA) für seine Arbeit über stabile Carbokationen, die bedeutend für die Kohlenwasserstoffchemie sind.