Wie ehrlich sind Wissenschaftler?

Projektunabhängige Entdeckungen, Forschungen und Spekulationen
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EdmundBlackadder
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Wie ehrlich sind Wissenschaftler?

#1 Ungelesener Beitrag von EdmundBlackadder » 03.06.2009 09:24

Wie ehrlich sind Wissenschaftler?
Bei welchen DC Projekten war/ist das ein Problem und warum?
...besonders anfällig ist dafür, wenig überraschend, die medizinische und pharmazeutische Forschung...
Die Zahlen sind ja erschreckend. Michael, dann pack' mal aus (wenn Du wieder Internet hast), "publish or perish"!
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Ritschie hat geschrieben:Ich will ja nicht nur für Credits rechnen, sondern 'nen sinnvollen Beitrag leisten.

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Michael H.W. Weber
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Re: Wie ehrlich sind Wissenschaftler?

#2 Ungelesener Beitrag von Michael H.W. Weber » 03.06.2009 12:21

...tja, wer so etwas macht, der sollte sich vielleicht einfach mal fragen, ob es ihm/ihr noch darum geht Fragen zu beantworten, zu forschen, etwas zu entdecken und durch Wissen nützlich zu sein oder ob es nicht vielleicht schon so ist, daß es einem um die Veröffentlichung geht - und zwar primär.
Leider wird in der Wissenschaft immer mehr Druck durch Publikationszwang erzeugt und das ist meines Erachtens dann auch die Hauptursache, wenn Daten fabriziert werden - wobei ich selbst keinen einzigen Fall kenne, wo so etwas vorgekommen wäre. Dann ist der Erfolgsdruck vermutlich so hoch, daß einige einknicken. Es ist ja so: Ohne Vorarbeiten (Publikationen) keine Fördergelder. Ohne Fördergelder keine Publikationen - nicht ganz einfach, aus dem Kreislauf auszubrechen.
Ich selbst habe z.B. von 2004-2008 keine einzige Publikation veröffentlicht, eben weil immer wieder Fragen offen blieben, die man klären muß, bevor man mit der Story rauskommen kann. Ich halte mich dann immer mit Konferenzbesuchen über Wasser, wo ich Poster mit Teilergebnissen meiner Arbeit präsentiere - so wie z.B. diese Woche in Berlin. Da muß man einen langen Atem haben und mit dem Risiko leben, daß andere einem zuvorkommen. Ist nun mal so.
Wenn ich Unwahrheiten veröffentlichen würde, könnte ich höchstwahrscheinlich keine einzige Nacht mehr ruhig schlafen - immerhin kann alle Welt den Quatsch dann lesen. Ob immer alles 100%ig richtig ist, wie man die erarbeiteten Ergebnisse generiert hat und dann interpretiert, sei mal dahin gestellt. Ich habe durchaus den Anspruch, alles perfekt zu machen (und das kann ganz schön nervig sein - für einen selbst, aber oft auch für Kollegen), aber wer kann schon von sich behaupten 100% fehlerfrei zu sein? Eventuell Fehler zu machen ist dann aber etwas ganz anderes, als z.B. Daten frei zu erfinden.

Michael.
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Re: Wie ehrlich sind Wissenschaftler?

#3 Ungelesener Beitrag von www.rekorn.de » 08.06.2009 07:28

hm... naja was machste denn mit ausreißern? sprich du machst 5 messungen und ein wert davon ist total weit von den anderen weg - ignorierst du diesen messwert? oder bindest du ihn mit ein, auch wenn das endergebnis dadurch verschoben wird? wenn das schon tricksen ist einen messwert zu streichen, muss ich mich dann auch zu den 33% zählen.
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EdmundBlackadder
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Re: Wie ehrlich sind Wissenschaftler?

#4 Ungelesener Beitrag von EdmundBlackadder » 09.06.2009 17:47

aktueller Radiobeitrag zum Thema in Bayern2 am 9.6.2009: Von Maulkörben, Macht und Missverständnissen
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Ritschie hat geschrieben:Ich will ja nicht nur für Credits rechnen, sondern 'nen sinnvollen Beitrag leisten.

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oe-floppy
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Re: Wie ehrlich sind Wissenschaftler?

#5 Ungelesener Beitrag von oe-floppy » 13.06.2009 12:04

@rekorn:

Für gewöhnlich werden 10 Messungen vorgenommen. Bei einem Ausreißer beträgt das 10% und wäre somit zu verkraften. Auch bezüglich der daraus resultierenden Interpretation. Normalerweise werden die Werte sowieso gemittelt, sodass der eine oder andere Ausreißer nicht mehr so stark ins Gewicht fällt. Ist ein Ausreißer extrem weit vom bisherigen Erwartungswert entfernt, so kann man ihn entweder herausstreichen (wissenschaftlich schlecht), die Messreihe wiederholen (von mir aus), oder (mein Favorit) eine dreifache Anzahl von Messungen vornehmen. Hierduch kann sich eine eventuelle Konstanz der Ausreißer abzeichnen - und vielleicht stellt sich heraus, dass es gar keine sind? Natürlich kann man auch das Messgerät wechseln, um auf eventuelle systematische Fehler zu schließen o.Ä.
Weniger Messungen werden für gewöhnlich nur bei aufwendigen Verfahren gemacht (großtechnische Reaktionskessel), wo eine Messung durchaus eine Woche oder länger dauern kann. Mindestens werden aber 3 Messungen vorgenommen. Ein Messwert hat keine Aussagekraft, zwei Messungen ergeben eine Gerade. Bei 3 Messungen jedoch kann man schon etwas über die Streuung erfahren.
Oder man misst einfach so lange bis alles stimmt... :roll:

IdS
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-horn-
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Re: Wie ehrlich sind Wissenschaftler?

#6 Ungelesener Beitrag von -horn- » 21.06.2009 20:44

moien,

ich finde nichts verwerflich daran, wenn man seine forschungsarbeit direkt so brauchen kann, dass man damit nachher geld machen kann. was ich aber nicht gut finde, wenn man nur in eine richtung forscht, nur weil man vorher schon von jemanden gesponsort wird und man dann ihm auch passende ergebnisse liefern muss. das wäre mir zu blöd und für mich ist es auch ergebnis, wenn als ergebnis nicht das so rauskam, was man vorher annahm, sondern etwas ganz anderes oder garnichts.
bei vielen forschungsprojekten war aber im verlauf oder auch nach dem abschluss nicht klar, wofür das ganze nun war, ausser zur wissensvermehrung. also wäre das so nie ein anreiz für die sponsorer gewesen, die gleich ein marktfähiges ergebnis haben wollen.allerdings kommen auch so dann imnachhinein dann doch umsetzbare dinge bei raus, die man sich zu erst nicht denken konnte, und dieser querdenkerfaktor würde dann fehlen, wenn alles in hinsicht auf direktes geldverdienen gemacht werden würde.

grüße, Andreas
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Re: Wie ehrlich sind Wissenschaftler?

#7 Ungelesener Beitrag von www.rekorn.de » 02.07.2009 22:53

@horn
ich schreib grad anträge und da ist der wissenschaftliche teil meinerseits im vordergrund. das spätere produkt ist nebensache und interessiert mich herzlich wenig. eigentlich ist der antrieb das geld, danach kommt der persönlich reiz des themas, danach die leute, mit denen man arbeitet und ich denk zum schluß das produkt. das produkt wiederum wird so toll beworben, dass man dafür wieder geld bekommt, etwas macht, was einem gefällt und mit freunden arbeiten kann. so gehts mir jedenfalls. negative ergebnisse sind ebenfalls ergebnisse und müssen interpretiert werden, vielleicht schafft man da wieder ein argument um noch intensiver forschen zu dürfen. ich halte nicht viel von auftragsforschung das bringt nichts neues sondern nur verbesserungen alter techniken/methoden. dummerweise gibts da geld und ruhm. die grundlagenforschung ist aber genauso wichtig, denn da entsteht wirklich neues wissen. leider schlecht bezahlt und man kann 20jahre seines lebens verschwenden und wenn was rauskommt, ist es des öfteren auf den ersten blick kein geld wert. aber die auftragsforscher können auf dieses grundlagenwissen zurückgreifen. - von daher stimm ich dir 100% zu,

@oe-floppy
meist sind 10 messungen sehr schwierig (jedenfalls damals) da sie wie du schon meintest viel zeit in anspruch nahmen. und ja mein damaliger chef hat 3 messungen pro probe verlangt und bei einigen einen ausreißer gestrichen oder mich nochmal messen lassen. so ein job ist sehr frustierend, daher lass ich sowas leute machen, die daran spaß haben. ich bin dann eher für die problemlösung zu begeistern :) wenns probleme gibt redet man drüber denkt nach und findet ne lösung oder alternative. (mein traumberuf ist arbeitsgruppenleiter im bereich produktentwicklung in einer biotechnologiefirma... *seufz*)
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