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Ungelesener Beitrag
von Michael H.W. Weber » 03.06.2009 12:21
...tja, wer so etwas macht, der sollte sich vielleicht einfach mal fragen, ob es ihm/ihr noch darum geht Fragen zu beantworten, zu forschen, etwas zu entdecken und durch Wissen nützlich zu sein oder ob es nicht vielleicht schon so ist, daß es einem um die Veröffentlichung geht - und zwar primär.
Leider wird in der Wissenschaft immer mehr Druck durch Publikationszwang erzeugt und das ist meines Erachtens dann auch die Hauptursache, wenn Daten fabriziert werden - wobei ich selbst keinen einzigen Fall kenne, wo so etwas vorgekommen wäre. Dann ist der Erfolgsdruck vermutlich so hoch, daß einige einknicken. Es ist ja so: Ohne Vorarbeiten (Publikationen) keine Fördergelder. Ohne Fördergelder keine Publikationen - nicht ganz einfach, aus dem Kreislauf auszubrechen.
Ich selbst habe z.B. von 2004-2008 keine einzige Publikation veröffentlicht, eben weil immer wieder Fragen offen blieben, die man klären muß, bevor man mit der Story rauskommen kann. Ich halte mich dann immer mit Konferenzbesuchen über Wasser, wo ich Poster mit Teilergebnissen meiner Arbeit präsentiere - so wie z.B. diese Woche in Berlin. Da muß man einen langen Atem haben und mit dem Risiko leben, daß andere einem zuvorkommen. Ist nun mal so.
Wenn ich Unwahrheiten veröffentlichen würde, könnte ich höchstwahrscheinlich keine einzige Nacht mehr ruhig schlafen - immerhin kann alle Welt den Quatsch dann lesen. Ob immer alles 100%ig richtig ist, wie man die erarbeiteten Ergebnisse generiert hat und dann interpretiert, sei mal dahin gestellt. Ich habe durchaus den Anspruch, alles perfekt zu machen (und das kann ganz schön nervig sein - für einen selbst, aber oft auch für Kollegen), aber wer kann schon von sich behaupten 100% fehlerfrei zu sein? Eventuell Fehler zu machen ist dann aber etwas ganz anderes, als z.B. Daten frei zu erfinden.
Michael.
Fördern, kooperieren und konstruieren statt fordern, konkurrieren und konsumieren.
