Der gläserne Mensch

Projektunabhängige Entdeckungen, Forschungen und Spekulationen
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
Michael H.W. Weber
Vereinsvorstand
Vereinsvorstand
Beiträge: 23154
Registriert: 07.01.2002 01:00
Wohnort: Marpurk

#13 Ungelesener Beitrag von Michael H.W. Weber » 24.01.2008 19:15

Heute wieder ein Spiegel-Artikel zur Thematik. Ich kann nur davon abraten, voreilig zu glauben, man könne aus der DNA-Sequenz genau ablesen, wer für welche Krankheiten welches Risiko hat. Ich sehe das Genom eher als ein modulierbares Langzeitgedächtnis. Man hat einen bestimmten Grundsatz an Informationen - was die Zelle damit macht, steht meiner Meinung nach auf einem ganz anderen Blatt. Modulierbar ist dieses Langzeitgedächtnis insofern, als bestimmte DNA-Bereiche bei gleicher Sequenz durch zusätzliche Faktoren (die eben nicht aus der DNA-Sequenz ohne weiteres abzulesen sind) aktiviert bzw. unterdrückt werden können. Man nennt das Epigenetik. Wenn ich also wirklich brauchbare Daten über Krankheiten haben will, benötige ich die komplette Kenntnis über diese Faktoren. DNA ist also eher eine Art programmierbarer Datenspeicher, aber keineswegs das Hirn der Zelle. Diese Funktion würde ich eher der Zellmembran zuordnen (Signale aufnehmen, verarbeiten, weiterleiten). Ich erinnere mal an die Zeit, wo das Genom des ersten Menschen sequenziert war. Damals wurde in den hochwohlgeborenen Fachblättern geschrieben, der größte Teil der menschlichen DNA sei Datenschrott, Ballast, nicht in Produkt umgesetzte Information, die - so damals der Tenor - wohl durch die lange Evolution des Menschen sich sozusagen als evolutionärer Abfall angesammlt hat. Man muß sich das reinziehen. Seit wann sammelt sich nutzloser Abfall an, wenn ein Selektionsdruck auf Funktion und Effizienz besteht? Inzwischen gibt es ein Projekt, daß systematisch untersucht, was an DNA nun wirklich aktive Funktion hat und was nicht. Heraussgekommen ist bislang, das nahezu alles an untersuchter DNA in RNA umgesetzt wird, d.h. irgend eine Funktion haben sollte. Also war schon die Grundannahme falsch. Und was die Zahl der Proteine betrifft - die geben Experten mit ca. 20.000-30.000 an. Ich sage: Abwarten. :funny:

Michael.
Fördern, kooperieren und konstruieren statt fordern, konkurrieren und konsumieren.

Bild Bild

Benutzeravatar
SpeedKing
TuX-omane
TuX-omane
Beiträge: 2943
Registriert: 12.09.2003 17:14

#14 Ungelesener Beitrag von SpeedKing » 24.01.2008 19:21

Es ist egal, was man kann - es kommt darauf an, was bestimmte Leute glauben, daß man könne, und was bestimmte andere ihnen erzählen.

SnakeKaplan
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 382
Registriert: 24.07.2007 11:36

#15 Ungelesener Beitrag von SnakeKaplan » 25.01.2008 00:16

Michael H.W. Weber hat geschrieben: Meines Wissens ist es in den USA bereits bei einigen Firmen in Gebrauch. :wink:
Also zumindest arbeitsrechtlich wird imo noch für längere Zeit ein gewaltiger Unterschied zwischen Amrika und uns hier sein.

Zurück zu „Wissenschaft“