Warum selbst Forscher die Kontrolle an KI abgeben - Stufen/Thesen

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X1900AIW
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Warum selbst Forscher die Kontrolle an KI abgeben - Stufen/Thesen

#1 Ungelesener Beitrag von X1900AIW » 13.02.2026 08:18

"Denken wird ineffizient: Warum selbst Forscher die Kontrolle an KI abgeben", 05.02.2026
https://www.telepolis.de/article/KI-in- ... 66565.html

Ein m.E. lesenswerter Leitartikel, der Stufen in der KI Nutzung aufzeigt sowie die Stufen der Entmündigung.

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(...) Schon vor mehr als einem Jahrzehnt beschrieb der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer den tieferen Mechanismus in seinem Buch "Digitale Demenz". Das Gehirn ist ein Organ, das nach demselben Prinzip funktioniert wie etwa die Muskeln auch: Use it or lose it!

Kognitive Fähigkeiten entstehen nur durch wiederholte eigenständige Aktivität. Wer Denkprozesse aber dauerhaft auslagert, verhindert ihre Ausbildung. Das ist keine Kulturkritik, sondern Neurobiologie.

Spitzer warnte vor einer Generation, die funktional handlungsfähig bleibt, aber innerlich weniger robuste Strukturen entwickelt. Weniger Gedächtnistiefe, geringere Konzentrationsfähigkeit, schwächere Problemlösestrategien – und neuere Studien bestätigen diese Folgen.

Auch deshalb setzt die Bildungspolitik in Deutschland inzwischen darauf, die privaten Handys der Kinder und Jugendlichen aus der Schule zu verbannen. Der Erfolg dürfte aber recht begrenzt sein, denn kaum sind die Kinder aus der Schule, gehen sie wohl wieder zur Dauernutzung der Geräte über.

Der Schaden durch Künstliche Intelligenz ist wohl nicht von heute auf morgen sichtbar, stattdessen ist es ein schleichender, der wohl auch subjektiv unsichtbar bleibt. Dank des Zugangs zu digitalen Technologien fühlen sich die Betroffenen kompetenter, nicht inkompetenter. Genau das macht die Gefahr aus.

Die Regression des Denkvermögens verläuft wohl in drei Schritten: Auf Stufe eins sind die Schüler, die durch die KI-Nutzung schlechter in Prüfungen abschneiden. Stufe zwei betrifft eine Generation, deren Gehirne sich dank digitaler Technologien nie vollständig entwickeln.

Das ist schlimm genug. Doch mit Stufe drei kommt es noch schlimmer. (...)

Coding-Suprematie der KI gelte als unbestritten. Analytisches Denken und Problemlösung seien vergleichbar oder bereits überlegen. Wer selbst programmiert oder rechnet, verliert Zeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Wer also gegen die Konkurrenz bestehen will, lagert Prozesse zunehmend an KI aus, wobei dies nicht immer transparent gemacht wird. Transparenz würden inzwischen viele als lästig empfinden, heißt es in dem Podcast.

Die Folge dieser Entwicklung: Ein Forscher lässt verschiedene KI-Modelle dieselben Probleme lösen und vergleicht deren Ergebnisse. Prüfte ein Forscher früher die Ergebnisse noch selbst, so wird inzwischen auch eine KI damit beauftragt. Schließlich verschwindet der Mensch zunehmend aus dem Erkenntnisprozess.

Hier kippt das Geschehen endgültig. Spitzer konnte noch sagen: Nutzt das Gehirn, sonst verkümmert es. Das Princeton-Treffen zeigt eine Welt, in der Selberdenken ökonomisch sinnlos wird.

Denken ist hier nicht mehr deshalb bedroht, weil Menschen es nicht können. Es lohnt sich schlicht nicht mehr. (...)

Ein Teilnehmer des Princeton-Treffens fragte: Warum tun wir Wissenschaft überhaupt noch? Wenn KI Fusionsenergie entwickelt und Medikamente entwirft, die kein Mensch mehr versteht, was bleibt dann vom wissenschaftlichen Erkenntnisprozess?

Der Referent nannte eine solche Welt "Magie", alles funktioniere auf scheinbar wundersame Weise, ohne das man verstehe, warum eigentlich. Und, so erklärte er weiter, eine solche Welt mache ihm Angst.

[Die Frage, die niemand stellt]

Die Bildungsdebatte fragt: Wie lernen wir mit KI richtig? Das ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Warum sollten wir überhaupt noch selbst denken, wenn es keinen Vorteil mehr bringt?

Spitzer beschrieb den Mechanismus. Die Gegenwart zeigt, wohin er führt. "Digitale Demenz" war eine Warnung. KI vollendet sie systemisch. Die größte Gefahr ist nicht, dass wir nicht mehr denken können. Die größte Gefahr ist, dass niemand mehr fragt, warum wir es überhaupt noch sollten.
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Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Spitzer
https://de.wikipedia.org/wiki/KI-Agent
https://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Demenz
https://www.ias.edu/
https://www.ias.edu/about/mission-history

Weiterführend:
https://www.tagesschau.de/wissen/forsch ... r-100.html
https://www.tagesschau.de/wissen/forsch ... g-100.html (=Zitatquelle für unten)
https://www.nature.com/articles/s41467-025-65974-8
(...) Die erste Phase der Hirnentwicklung beginnt mit der Geburt und dauert bis etwa zum neunten Lebensjahr. In dieser Zeit wird das Gehirn zunächst intensiv "verkabelt". Es entstehen unzählige neue Synapsen - die Verbindungen zwischen den Nervenzellen - die die Grundlage für die kognitive und motorische Entwicklung schaffen.

Doch bereits im frühen Kindesalter beginnt das Gehirn, diese Verbindungen zu optimieren. Synapsen, die nicht genutzt werden, werden wieder abgebaut. Gleichzeitig werden die Informationswege zwischen den wichtigsten Hirnregionen gestärkt. Diese Phase ist entscheidend dafür, wie effizient das Gehirn in den kommenden Lebensjahren arbeiten wird.

[Pubertät: Der große Umbau des Gehirns]

Mit etwa neun Jahren kündigt sich der erste Wendepunkt an. In dieser Zeit beginnt das Gehirn, sich auf die Veränderungen der Pubertät vorzubereiten. Hormonelle Umstellungen sorgen dafür, dass die weiße Hirnsubstanz, die für die schnelle Weiterleitung von Informationen verantwortlich ist, weiterwächst. Gleichzeitig wird das Netzwerk zwischen den wichtigsten Hirnregionen optimiert, um eine effizientere Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Während der "Bauarbeiten" zeigen sich dann oft typische Pubertätsprobleme: Jugendliche verhalten sich aus Sicht der Erwachsenen oft unvernünftig und neigen zu riskantem Verhalten. Denn der sogenannte präfrontale Kortex entwickelt sich zuletzt - diese Region ist zuständig für Planung und Impulskontrolle.

Da das Gehirn in dieser Phase besonders empfindlich auf äußere und innere Einflüsse reagiert, treten in der Pubertät häufig auch erstmals psychische Störungen wie Depressionen oder Angststörungen auf. Nach dem Umbau ist das Gehirn dann allerdings im Idealfall bestens vernetzt und optimal auf das Erwachsenenleben vorbereitet. (...)
Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.
Henry Ford

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