Keine Angst vor Mißbrauch?

Grid-Computing, technische Entwicklung von Distributed Computing...
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Dennis Kautz
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Re: setiathome

#13 Ungelesener Beitrag von Dennis Kautz » 20.12.2004 23:47

spunti hat geschrieben:Also "Linux" ist zum Beispiel eine eingetragene Marke.
Ja, unter anderem für ein Waschmittel :devil:

Es gibt aber einen Unterschied zwischen Urheber-, Marken- und Patentrecht... Hinzu kommt, dass es bei Linux keine hunderte von Millionen pro Kernel-Device kostet, um irgendwelche behördlichen Auflagen zu erfüllen. Falls dem so wäre, hätte es Linux zumindest in dieser Form niemals gegeben... bzw. wenn, wäre es kommerziell :-?

EDIT: Nicht, dass du mich falsch verstehst - ich bin ein klarer Gegner des momentan herrschenden Patentwahns. Aber in Hinsicht auf die enormen Kosten der Arzneimitteltests gibt es nur 2 Alternativen zum derzeitigen Modell:

a) Klinische Prüfungen abschaffen (will wohl keiner)
b) Staat muss diese bezahlen (halte ich für extrem unwahrscheinlich, dass das passiert)

Von daher denke ich, dass wir im Moment in den sauren Apfel beißen müssen und schließe mich an, dass ein Medikament, dass ein paar Jahre durch Patent geschützt ist, besser ist, als gar keines :-?

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#14 Ungelesener Beitrag von SpeedKing » 21.12.2004 01:06

Man unterscheide Trivialpatente (worunter auch viele Softwarepatente fallen) und 'echte' Patente (wie z.B. für Maschinen etc.).
Erstere nutzen vor allem Großkonzernen und Monopolisten, zweitere dem Erfinder - ganz egal, ob der ein Selbständiger oder ein Großkonzern ist.

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Michael H.W. Weber
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#15 Ungelesener Beitrag von Michael H.W. Weber » 21.12.2004 08:19

Patentieren bedeutet intellektueller Rückschritt, da Wissen zurückgehalten wird. Deshalb bin ich gegen Patente, auch wenn den "Herren Pharmakonzernen" jetzt der Hut hochgeht. ;)

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spunti

Seti mit 32 MB RAM und RAMdisk

#16 Ungelesener Beitrag von spunti » 21.12.2004 11:07

Um mal zu zeigen, daß ich kein böser (Linux-)Kommunist bin, sag ich jetzt mal, daß die Forschung und Entwicklung von Medikamenten sehr teuer ist, und daß deshalb Patente schon Sinn machen. Sonst würde diese Forschung niemand betreiben, sondern nur jeder auf den anderen lauern.

Das Seti für Linux ist gar nicht so übel und kann auch solche Grafik anzeigen wie der Win-Bilschirmschoner. Und dann hab ich hier noch ein altes Win98-Notebook (da kann ich kein Linux nehben, da ich kein CD-ROM drin hab und die einzige Verbindung zur Außenwelt ist eine Netzwerkkarte die nur mit Win läuft) und da laß ich Win-Seti jetzt in einer RAMdisk laufen, das geht völlig ohne Lüfter, auch wenn der fast einen Monat für ein Paket rechnen muß (und die CPU evtl. auch runtergeregelt ist).

Als Anregung: Ich hab nur 32 MB RAM und wenn ich davon etwas abzwacke, startet der Grafik-client nicht mehr, da er 32 MB benötigt.
Hab jetzt aber rausgefunden, daß man 1024 kB abzwacken kann und der Client trotzdem startet!
(Ob das 1MB RAMdisk ausreicht, wenn er sich die daten holt und neue liefert, weiß ich noch nicht, da muß ich dann den evtl. von der Platte startet, auf die man sowieso regelmäßig sichern sollte.)

grüße
spunti

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#17 Ungelesener Beitrag von frank » 21.12.2004 11:57

Michael H.W. Weber hat geschrieben:Patentieren bedeutet intellektueller Rückschritt, da Wissen zurückgehalten wird. Deshalb bin ich gegen Patente, auch wenn den "Herren Pharmakonzernen" jetzt der Hut hochgeht. ;)

Michael.
Das ist jetzt aber ne sehr undifferenzierte Sichtweise, wenn Du mir diese Kritik erlaubst. Viele Sachen und Medikamente die wir heute nutzen gibt es nur, weil sie patentierbar sind/ waren. Das wurde weiter oben schon recht nachvollziehbar begründet. Ich jedenfall kenne niemanden der richtig viel Geld für die Zulassung eines Medikamentes in die Hand nimmt und anschließend alle einlädt das Medikament ebenfalls zu vermarkten. Aber möglicherweise hast Du ja andere Infos als ich ?
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#18 Ungelesener Beitrag von SpeedKing » 21.12.2004 12:15

Ohne Patente wäre noch nicht mal eine Dampfmaschine gebaut worden, ganz zu schweigen von allem seither, das nicht für "lau" zusammengebastelt werden kann.

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#19 Ungelesener Beitrag von Dennis Kautz » 21.12.2004 17:34

Ich denke, man muss differenzieren zwischen wirklichen Innovationen und reinen Trivialpatenten - letztere sind natürlich Unsinn.
Das selbe halte ich auch von Softwarepatenten, da Software bereits vom Urheberrecht geschützt ist und zudem die Patentierungszeiträume bei Software viel zu hoch sind. Wieviel hier gegen Prior Art verstoßen wird, will ich da mal ganz außen vorlassen :(

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Re: Seti mit 32 MB RAM und RAMdisk

#20 Ungelesener Beitrag von Michael H.W. Weber » 21.12.2004 18:30

spunti hat geschrieben:Sonst würde diese Forschung niemand betreiben, sondern nur jeder auf den anderen lauern.
Ach ja? Das halte ich für ein Gerücht. Gebt meiner Uni endlich die gebührenden (!) Gelder, dann wird da auch geforscht. ;)

@frank & SpeedKing: Das sind genau die Sprüche, die die Großkonzerne einem immer vorweinen. Ich ziehe da nicht mit. Neulich erst habe ich in Nature wieder so einen Schwachsinnsartikel gelesen, wo einer doch allen ernstes behauptete, der Laser z.B. wäre ohne Patente nie erfunden worden, weil er keine Anwendungen hatte, als man ihn sich ausdachte. Dabei übersehen diese Typen immer wieder eines: Es ist genau die Aufgabe der Unis, diesen Dinge, die scheinbar (!!!) keine Anwendung haben, nachzugehen. Man nennt es auch Grundlagenforschung. Und dann noch ein kleiner, SEHR interessanter Einwurf: Wer bastelt denn an den ersten Malariagegenmitteln (Impfstoffen)? Eine OpenSource/OpenAccess Gesellschaft. Warum keine Firma? Ganz einfach, weil diesen Geldsäcken die malariarelevante Klientel zu arm ist! Da läßt sich nichts verdienen. Großkonzerne - wenn nicht unterstützt von gemeinnützigen Vereinen/Stiftungen - produzieren stets nur Dinge, wo sie einen Heidenreibach machen können. Soviel dürfte wohl einleuchtend sein.

Nun könnte ich mich ja dem allgemeinen Patentierungswahn mal anschließen und meine Grundlagenergebnisse patentieren. Dann könnten die Großkonzerne gleich ihren Laden abreißen, da ich Ihnen den Einsatz meiner Entdeckungen nicht genehmigen werde, so wie sie es auch nicht tun, wenn ich etwas möchte. Wo kommen wir denn da hin? Schön - jetzt muß ich mir gleich das Argument anhören "halt, halt, Grundlagen sind ja auch keine Erfindung". Sehr richtig. DNA Sequenzen auch nicht. Und dennoch werden sie munter patentiert. Oder die For-Next-Schleife - ich patentiere sie mir mal hurtig... :lol:

Nee, nee Jungs - nicht mit mir! Wenn der Pharmaindustrie die Forschung zu teuer ist, möge sie selbige bitte an die Unis auslagen. Da kommen wir dann endlich mal zu einem neuen, zukunftsträchtigen Konzept in diesem Lande. ;)

Michael.
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Re: Seti mit 32 MB RAM und RAMdisk

#21 Ungelesener Beitrag von SpeedKing » 21.12.2004 19:10

Michael H.W. Weber hat geschrieben:[...]der Laser z.B. wäre ohne Patente nie erfunden worden, weil er keine Anwendungen hatte, als man ihn sich ausdachte. Dabei übersehen diese Typen immer wieder eines: Es ist genau die Aufgabe der Unis, diesen Dinge, die scheinbar (!!!) keine Anwendung haben, nachzugehen. Man nennt es auch Grundlagenforschung.
Konkrete Anwendungen sind niemals Grundlagen. Und außerhalb der Grundlagenforschung sind Unis absolut unbedeutend - und das zu Recht.

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Gier

#22 Ungelesener Beitrag von spunti » 21.12.2004 19:48

Es schon gut so, daß sich beides ergänzt. Daß die Kommerziellen das macht, was der Markt verlangt und ein paar Andere sich um das ausgelassene kümmern.
Völlige Planwirtschaft am Markt vorbei, kann doch (fast) niemand wollen und die Gier ist einfach der Antrieb der Menschen (und aller Lebewesen) schlechthin. Da ist schon gut, daß die genutzt wird.

Vielleicht habt ihr das ZDF-Nachtstudio am Sonntag gesehen? (Eine Wiederholung kommt irgendwann vormittags auf 3Sat und die letze Sendung ist im Netz.)
Da ging es um das Thema Gier und Bescheidenheit. Da hat das noch mal jemand klar gesagt, daß die Gier (nach Geld und Macht) unser Antrieb ist und das dies auch etwas gutes ist. (Und das Problem der Ungleichverteilung besteht unabhängig davon.)
Die Kritik die dazu möchte ich auch gleich liefern. Das Problem ist, daß die Gier auf Geld ausgerichtet ist anstatt auf Lebensfreude. Also nicht, daß ein Unternehmen jetzt sich an der Lebensfreude aller orientieren sollte, sondern daß der Manager das macht, was für ihn persönlich die Lebensfreude steigert und für die Firmeninhaber/Aktionäre. Und ab einem bestimmten Einkommen ist das eben nicht mehr Geld, sondern andere Faktoren.

So, das war jetzt einiges an Off-Topic, aber mal ein interessanter Gedanke zum Thema Forschung durch Planung von Oben und Forschung aufgrund von Gier.

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Re: Seti mit 32 MB RAM und RAMdisk

#23 Ungelesener Beitrag von frank » 22.12.2004 09:22

Michael H.W. Weber hat geschrieben:... Es ist genau die Aufgabe der Unis, diesen Dinge, die scheinbar (!!!) keine Anwendung haben, nachzugehen. Man nennt es auch Grundlagenforschung. Und dann noch ein kleiner, SEHR interessanter Einwurf: Wer bastelt denn an den ersten Malariagegenmitteln (Impfstoffen)? Eine OpenSource/OpenAccess Gesellschaft. Warum keine Firma? Ganz einfach, weil diesen Geldsäcken die malariarelevante Klientel zu arm ist! Da läßt sich nichts verdienen. ...
Deshalb machen ja z.B. in USA , aber auch zunehmend in Deutschland, die Profs mit Steuermitteln die Grundlagenforschung und anschließend mit den daraus entwickelten Patenten Kohle weil sie flugs Firmen gründen um die öffentlich finazierten Arbeiten in private Gewinne zu verwandeln. Neee nee mein Lieber, da sind mir die Pharmafirmen die von Anfang an sagen "Wir wollen Kohl und das möglichst schnell und möglichst viel!!" doch deutlich lieber, als diese scheinheiligen Profs!! Denn mit wieviel Geld ich die Profs und ihre Forschung finanziere, kann ich nicht entscheiden, für welches DC Projekt ich meine Stromrechnung in die Höhe treibe, schon!

Und zur Malariaforschung: Firmen wollen und müssen Geld verdienen, das ist ihr Sinn und Zweck. Ich wüsste nicht, was daran verwerflich wäre.

frank

PS
Damit wir uns nicht missverstehen, die Etats die in Deutschland für Bildung angesetzt werden (vom Kindergarten bis zur Uni) sind deutlich zu niedrig. Nicht dass es hier hinterher heißt, ich wolle Unis und die Grundlagenforschung abschaffen!!

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Re: Seti mit 32 MB RAM und RAMdisk

#24 Ungelesener Beitrag von Michael H.W. Weber » 22.12.2004 11:14

SpeedKing hat geschrieben:Und außerhalb der Grundlagenforschung sind Unis absolut unbedeutend - und das zu Recht.
Sorry, aber das ist jawohl der größte Unsinn. Was glaubst Du wohl, was beispielsweise in Unikliniken passiert? Die Arzneistoffe werden oft dort entwickelt und dann erst an einen Pharmakonzern auslizensiert. Nächstes Beispiel: So ziemlich alle (!) konkreten Anwendungen in modernen Kraftfahrzeugen wurden an der TU Darmstadt entwickelt. Wieviel konkrete Anwendungen das M.I.T. jährlich so auf die Produktionsbänder schleudert, vermag ich hier gar nicht abzuschätzen... Nee, nee - also so nicht. ;)
frank hat geschrieben:Deshalb machen ja z.B. in USA , aber auch zunehmend in Deutschland, die Profs mit Steuermitteln die Grundlagenforschung und anschließend mit den daraus entwickelten Patenten Kohle weil sie flugs Firmen gründen um die öffentlich finazierten Arbeiten in private Gewinne zu verwandeln.
Sorry, aber das ist völlig undifferenzierter Unsinn. ;) Erstens sind die Unis in den USA keineswegs rein staatliche Einrichtungen und werden als solches auch nicht bevorzugt aus Steuergeldern finanziert. Aus diesem Grund ist ein Vergleich Uni USA mit Uni BRD schon mal völlig unzulässig. Zweitens ist die von dir bemängelte "Raffgier" der Professoren in allererste Linie darauf zurückzuführen, daß Leute wie Dr. Roland Koch sie totsparen wollen. Ich weiß ja nicht, ob Du weißt, was Forschung kostet, aber nur soviel: Es ist schweineteuer. Die von öffentlicher Hand zugeteilten Gelder reichen weder vorne noch hinten - was Du ja auch korrekt festgehalten hast. Also von privaten Gewinnen kann nicht die Rede sein.
frank hat geschrieben:Neee nee mein Lieber, da sind mir die Pharmafirmen die von Anfang an sagen "Wir wollen Kohl und das möglichst schnell und möglichst viel!!" doch deutlich lieber, als diese scheinheiligen Profs!! Denn mit wieviel Geld ich die Profs und ihre Forschung finanziere, kann ich nicht entscheiden, für welches DC Projekt ich meine Stromrechnung in die Höhe treibe, schon!
Dir ist aber schon klar, daß die Mehrheit der dc Projekte von Unis laufen gelassen werden? :lol:
frank hat geschrieben:Und zur Malariaforschung: Firmen wollen und müssen Geld verdienen, das ist ihr Sinn und Zweck. Ich wüsste nicht, was daran verwerflich wäre.
Verwerflich daran ist, daß bei dem allgemeinen Ökonomiewahn selbst fertig ausgereifte Arzneimittel (sagen wir von einer Uni entwickelt) nicht produziert würden, wenn der vertreibende Pharmakonzern daran nicht ordentlich verdient. Wir reden hier über Millionen von Menschen die auf dieser Basis alljährlich jämmerlich verrecken. Aber das mal nur anbei.

Michael.
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